Freitag, 12. Februar 2010

Bloggen - aber bitte handschriftlich!

Geil. Ich blogge.
Gut, zugegeben: Ich schreibe diesen Text derartig offline, es strotzt jeder Beschreibung.
Auf einem Block. Im Zug. Mit einem Stift. Aber, und ich finde, da darf man mir ruhig zustimmen, einen Blogeintrag auf einem Block zu verfassen, das ist nicht nur sprachspielerisch interessant, das ist auch extrem mühsam.
(Zumal ich nun am Rechner sitzend versuchen muss, meine eigene Handschrift zu entziffern, was sich schon bei unter "Normalbedingungen" entstandenen handschriftlichen Manusprikten als recht mühsam entpuppt. Hier allerdings kommt noch das ganze Gewackel im Zug hinzu, in Kombination mit der menschenunwürdigen Pose in welcher ich diesen Text meiner Erinnerung nach verfasst habe - die Knie angewinkelt, von vorn und von links bedrängt von lallenden Gestalten die aufgrund ihres zu hohen Alkoholpegels wahrscheinlich von diversen Karnevalsveranstaltungen verwiesen wurden, und dies mag nun schon etwas heißen!)
Schon erstaunlich, wie schnell die gute alte Handschrift zu einem ungeübten und vor allem zehrenden Gekrakel verkommt. Dies ist Handschrift-Premiere, seit ich, ganz wie es sich für die digitale Bourgeoisie gehört, ein Netbook dauerhaft mit mir herumschleppe. Dabei hat Handschrift, bei all ihren Nachteilen in Bezug auf digitale Verwertbarkeit einen entscheidenden Vorteil, denn sie transportiert mehr als nur Text, mehr als die bloßen Worte. An meiner Handschrift kann ich sehen, ob ich einen Text im Zug verfasst habe, ob ich ihn schnell hingerotzt oder wohlüberlegt niedergelegt habe. Ich kann an meiner Handschrift auch erkennen, ob und wie betrunken ich war als diese seltsamen Gedanken aus mir herausquollen (zur Information: Hier keineswegs) Ich kann sehen, welche Dinge ich verworfen, welche ich erst später hinzugefügt habe. So wird jedes Stück Papier auch gleich eine kritische Fassung, jede Version bleibt erhalten, und wenn auch nur als Streichung. Textverarbeitung am Computer ermöglicht zwar ähnliche Vorgehensweisen, aber welcher Autor wird sich schon die Mühe machen, jede verworfene Zeile als verworfen zu markieren wenn Backspace und Entfernen schnelle Erlösung vom gerade verfassten Schund versprechen?
Eben.
Vielleicht werde ich mir in Zukunft häufiger wieder die Mühe machen, Texte wirklich zu Papier zu bringen. Schließlich geht ja auch nichts über die sprichwörtliche Schublade voller Entwürfe die man immer mal wieder öffnen und darin stöbern kann. Und ausserdem kommt man sich im Café nicht mehr ganz so doof vor wenn man statt des Netbooks mal wieder den Block auspackt. Da erkennt die Bedienung sofort: Ah, das ist ein Schreiberling und keiner dieser Pixelschieber die zu geizig für ein eigenes Büro sind und bringt einem gleich einen zweiten Keks zum Kaffee dazu...

Soviel also zum Thema "offline" Schreiben. Schon erstaunlich. Hätte mein Netbook noch Saft gehabt, vielleicht hätte ich niemals mit dem Bloggen angefangen...